13.01.2009
Gedenken an Karl und Rosa
80.000 Menschen haben heute bei strahlendem Sonnenschein, aber frostigen Temperaturen in der Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts gedacht, die vor genau neunzig Jahren, am 15. Januar 1919, ermordet worden waren.
Traditionell eröffneten führende Politikerinnen und Politiker der LINKEN, unter ihnen Lothar Bisky, Gregor Gysi und Petra Pau, das stille Gedenken mit einer Kranzniederlegung. Auch Peter Sodann, Kandidat der LINKEN für das Amt des Bundespräsidenten, war gekommen und natürlich waren aus unserem Oder-Spree-Kreis viele Genossinnen und Genossen und Sympathisanten beim Gedenken in Berlin.
Ohne Sozialismus keine Demokratie und ohne Demokratie kein Sozialismus
Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht stehen für eine politische Tradition der deutschen Linken, die über enge Parteigrenzen hinausreicht. Ihr Schicksal ist untrennbar verbunden mit der Entwicklung der deutschen Arbeiterbewegung und den Kämpfen zwischen ihren verschiedenen Strömungen. Als Linke in der Sozialdemokratie profilierten sie sich als unversöhnliche Kriegsgegner und wurden zu tragenden Kräften der Linken in der sich auf Grund der Kriegspolitik der SPD abspaltender Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei, der weltweit ersten linkssozialistischen Massenpartei. Als Begründer der Kommunistischen Partei Deutschlands traten sie für eine Realpolitik für und im Interesse der werktätigen Massen ein.
Die gesellschaftliche Wirklichkeit nicht einfach hinzunehmen, sondern sie schöpferisch umzugestalten, diese Idee verbanden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht mit dem Ideal einer freien, humanistischen Gesellschaft. Sozialismus war für Liebknecht "die Entstehungs- und Kampfform eines neuen allumspannenden Humanismus". Dazu bedürfe es der freien, kühnen Initiative, des Muts zur Tat und des verantwortungsbewussten Handelns des Einzelnen. Nicht auf bloße Unterordnung unter die Gesamtheit, sondern auf Eigeninitiative und Entschlusskraft jedes Einzelnen komme es an. Von Rosa Luxemburg stammen Vorstellungen über Werte und Ziele der sozialistischen Bewegung, die heute noch bedeutsam und orientierend sind: Freiheit ohne Gleichheit ist Ausbeutung. Gleichheit ohne Freiheit ist Unterdrückung. Ohne Sozialismus keine Demokratie und ohne Demokratie kein Sozialismus.
Finanz-, Wirtschafts- und Gesellschaftskrise, Sozialabbau, Arbeitslosigkeit und zunehmende Spaltung der Gesellschaft in arm und reich, Gefährdung des sozialen Zusammenhalts und der Demokratie, Umweltzerstörung und neue imperiale Kriege - mit diesen grundlegenden Übeln des Kapitalismus sind wir heute nach wie vor konfrontiert. Die Ideen, der Kampf und das Wirken von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht sind auch heute noch aktuell und vermitteln uns Optimismus, sich für einen demokratischen Sozialismus einzusetzen.
Im sozialdemokratischen "Vorwärts" schrieb der Redakteur Heinrich Ströbel 1916 über Karl Liebknecht - und gleiches gilt für Rosa Luxemburg - "Ich halte ihn für einen der wenigen Kultureuropäer, die sich in dieser äußersten Härteprobe bewährt haben." DIE LINKE steht in dieser Tradition.
Stephan Wende
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